Historische Entwicklung der Herz-Lungen-Maschine

Von den Anfängen der Medizin zur modernen Herz-Lungen-Maschine.


21. Jahrhundert

2000

Stephen N. Oesterle und Nicolaus Reifart gelingt am Krankenhaus der barmherzigen Brüder in Trier erstmals die kathetergestützte Arterialisation einer Koronarvene.


20. Jahrhundert

1977

Andreas R. Grüntzig (1939-1985) entwickelt einen doppellumigen Katheter aus PVC zur Koronardilatation. Das Prinzip wird später auf fast alle Hohlorgane angewendet.

1969

Denton A. Cooley (*1920), Herzchirurg am St. Luke’s Texas Children Hospital in Houston, implantiert erstmals ein Kunstherz. Damit werden 64 Stunden überbrückt, bis ein Spenderherz gefunden ist. Die Transplantation überlebt der Patient, er stirbt jedoch nur 32 Stunden später an einer Pneumonie.

1968

Adrian Kantrowitz (*1918) wendet das von Spyridon D. Moulopoulos, S. Topez und W. J. Kolff entwickelte und bereits 1962 im American Heart Journal publizierte Prinzip der Intraaortalen Gegenpulsation erstmals klinisch an.

1967

Christiaan N. Barnard (1922-2001), Chirurg am Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt, transplantiert erstmals ein Herz.

Am 3. Dezember 1967 leitete Christiaan Barnard das 31-köpfige Transplantationsteam, dem erstmals eine Herztransplantation am Menschen gelang. Dem Patienten, Louis Washkansky, wurde in einer fünfstündigen Operation im Groote-Schuur-Krankenhaus in Kapstadt das Herz der im Alter von 25 Jahren bei einem Autounfall tödlich verunglückten Denise Darvall verpflanzt. Die Operation war insofern erfolgreich, als Washkansky sie überlebte. Leider verstarb er nach 18 Tagen infolge eines Infekts an einer Lungenentzündung. Der zweite Patient wurde am 2. Januar 1968 operiert und lebte 19 Monate mit dem verpflanzten Herzen.

Christiaan N. Barnard
Hamilton Naki (Foto: WDR/Lichtblick)

Der Name Christiaan Barnard steht für die weltweit erste gelungene Herztransplantation an einem Menschen. Doch jahrzehntelang wußte niemand, dass der weiße Südafrikaner Barnard die Erfolgsgeschichte der ersten Herztransplantation nicht allein geschrieben hat. Ohne die Mitarbeit seines Assistenten, den Schwarzen Hamilton Naki, hätte Barnard die sensationelle Operation nicht durchführen können. Naki war ein Mann mit nur sechs Jahren Schulbildung, der sich vom Gärtner zum begabten Chirurgieassistenten hochgearbeitet hat. Erst nach Barnards Tod im Jahr 2003 wurde die Doppel-Besetzung am OP-Tisch bekannt, und Naki wurde zur Leitfigur des neuen Südafrika. Hamilton Naki erhielt 2003, zwei Jahre bevor er starb, den Ehrendoktor der Universität Kapstadt und ihm wurde das südafrikanische Verdienstkreuz verliehen.

Erste erfolgreiche koronare Bypass-Operation am Herzen durch René G. Favoloro (1923-2000) in der Cleveland Clinic, Ohio. Diese Operation wird oft als erste „aortokoronare Bypassoperation“ bezeichnet [1] obwohl es sich nach Angaben von Favaloro um die Interposition eines Venensegmentes mit zwei End-zu-End-Anastomosen gehandelt hat [2].
Erst die fünfzehnte Operation, ebenfalls 1967 durchgeführt war dann eine „aortokoronare“ mit einem Venenbypass von der Aorta zum Herzkranzgefäß.erstmals einen Koronarbypass unter

[1] Denton A. Cooley: In Memoriam. Tribute to René Favaloro, Pioneer of Coronary Bypass, Tex Heart Inst J (2000) 27:231–232.
[2] René G. Favoloro: Landmarks in the Development of Coronary Artery Bypass Surgery. Circulation (1998) 98:466–478.

1966

Werner Porstmann (1921-1982) gelingt an der Charité in Berlin erstmals der Verschluss eines Ductus Botalli apertus mittels eines in Kathetertechnik eingeschleusten und platzierten Pfropfens aus Kunststoff.

1962

Martin Herbst (*1917) gelingt in Leipzig die erste erfolgreiche Herz-OP mit HLM in Ostdeutschland.

Die erste koronare Bypassoperation unter Verwendung der Vena saphena magna am 5. April 1962 durch David C. Sabiston.

1960

Die erste koronare Bypassoperation mit der A. mammaria führt Robert H. Goetz am 2. Mai 1960 durch.

1959

Am 22. Juli 1959 kam zum ersten Einsatz einer HLM bei einem ASD-Verschluss in Erlangen . Es wurde damals das so genannte „Große Erlanger Modell“ eingesetzt. Dieses und das so genannte „Kleine Erlanger Modell“ entstanden unter der Zusammenarbeit von Dr. Meyer-Wegner und der Firma Ullrich aus Ulm. Dr. Meyer-Wegner (Physiker) betreute diese HLM in der Anfangszeit, bis 1966 Fritz Wortmann als erster Kardiotechniker die Maschine übernahm.

Erlangener Modell (Foto: Erlangen)
Erlangener Modell (Foto: Erlangen)

1958

Rudolf Zenker (1903-1984) gelingt in Marburg die erste erfolgreiche Herz-OP mit HLM in Westdeutschland.

Ake Senning (1915-2000), Oberarzt und Leiter der Experimentalchirurgie im Karolinska Krankenhaus von Stockholm, setzt den gemeinsam mit Rune Elmquist entwickelten, ersten implantierbaren Schrittmacher ein.

1956

Entwicklung des Bubble-Oxygenators durch Rygg and Kyvsgaard.

(Foto: Erlangen)

1954

Ian Aird (1905-1962) setzt am Hammersmith Hospital in London als Erster in Europa erfolgreich eine von Denis Melrose konstruierte HLM am Menschen ein.

C. Walton Lillehei (1918-1999), Chirurg an der Klinik von Clarence Dennis, inauguriert erfolgreich die Kreuz-Zirkulation, bei der ein Elternteil den Kreislauf des zu operierenden Kindes antreibt.

1953

Die erste offiziell in Europa eingesetzte und weltweit dritte Herz-Lungen-Maschine vom Typus des Mayo-Gibbon.

(Foto: Aufgenommen im Deutschen Medizinhistorischen Museum)

6.5.1953

(Foto: Zeitschrift KARDIOTECHNIK)

John H. Gibbon (1903-1973) gelingt an der Pennsylvania University in Philadelphia die erste erfolgreiche Herzoperation unter dem Schutz der Herz-Lungen-Maschine am Menschen.

Als am Nachmittag des 3. Oktober 1930 eine Patientin eine massive Lungenembolie erlitt, wurde Gibbon von Churchill beauftragt, diese Patientin zu überwachen. Während dieser Zeit wurde seine Idee des kardiopulmonalen Bypasses geboren. Er dachte darüber nach, das Blut aus den gestauten Venen in eine Maschine umzuleiten, welche dieses Blut oxygenieren und gleichzeitig das Kohlendioxyd verringern sollte, um es dann in das arterielle Gefäßsystem zurückzupumpen. Nach einer kurzen Zeit als Assisted Surgeon am Pennsylvania Hospital, wo schon sein Vater wirkte, kehrte er erneut zu Churchill nach Boston zurück. Churchill glaubte zunächst nicht an eine Zukunft des Projekts der Herz-Lungen-Maschine.

Die erste offiziell in Europa eingesetzte und weltweit dritte Herz-Lungen-Maschine vom Typus des Mayo-Gibbon-Pumpoxygenators.

1952

Forest Dewey Dodrill führt einen Eingriff der Mitralklappe ohne künstliche Oxygenatoren mittels eines Linksherz-Bypasses durch. Einen Monat später führt er einen Eingriff an der Pulmonalklappe durch. Beide überleben den Vorgang.

Forest Dewey Dodrill (1902-1997) gelingt am Harper Hospital in Detroit die erste offene Herzoperation unter Anwendung des Linksherz-Bypasses: Das „Michigan Heart“ ist ein System von General Motors, das einem Cadillac-Motor nachempfunden wurde.

1951

In Turin behandeln Achielle M. Dogliotti und A. Constantini einen Mediastinaltumor während einer Kompression der Hohlvenen und der rechten Hauptkammer mit einem partientellem Bypass mit einem Perfusionsfluss von 1 l / min. Sie bringen eine Herz-Lungen-Maschine und einen Oxygenator nach dem Gasdispersionsprinzip zum Einsatz.

In Minneapolis führt Clarence Denis einen totalen Kardiopulmonaren Bypass bei einer sechsjährigen Patientin durch unter Benutzung einer Herz-Lungen-Maschine mit Membranpumpen nach dem Dale Schuster Prinzip und einem Oxygenator mit rotierenden Gitterscheiben.

Clarence Dennis (*1909) und Richard Varco versuchen in der Chirurgischen Klinik der University of Minnesota, Minneapolis, die erste Operation mit HLM am Menschen. Leider ohne Erfolg.

1945

Clarence Craaford (1898-1984) vom Karolinska Sjukhuset in Stockholm entwickelt mit Anderson den Scheibenoxygenator nach der Beschreibung von Hooker aus dem Jahre 1915 und baut ihn später in seine mit Ake Senning konstruierte HLM ein.

1944

Willem J. Kolff (*1911) entwickelt im holländischen Kampen unter den Augen der deutschen Besatzer eine künstliche Niere nach dem Prinzip von Abel, Rowntree und Turner. Im Folgejahr gelingt ihm damit die erste erfolgreiche Behandlung eines urämischen Patienten. 1956, in Cleveland, entwickelt er einen verbesserten Membranoxygenator, 1962 mit Topez und Moulopoulos die Intraaortale Ballonpumpe und später mit Robert K. Jarvik in Salt Lake City ein Kunstherz.

1937

John H. Gibbon (1903-1973) schreibt im „Archives of Surgery“ über „Artificial maintenance of circulation during experimental occlusion of pulmonary artery“ und wird dafür später in Ignoranz der Arbeiten von Brukhonenko als „Vater der extrakorporalen Zirkulation“ bezeichnet.

1934

Die Erfindung der Rollenpumpe

1929

Werner O. Th. Forßmann (1904-1979), Arzt am Auguste-Viktoria-Krankenhaus in Eberswalde, schiebt sich im Selbstversuch einen dünnen Katheter unter Röntgenkontrolle von der Ellenbeuge bis in den rechten Ventrikel. Er erntet den Spott seiner Zeit… und bekommt 1956 den Nobelpreis für Medizin.

1926

Der erste Forscher, der vor Gibbon einen Vorläufer der heutigen Herz-Lungen- Maschine zur extrakorporalen Zirkulation erdachte, war der Russe Sergej S. Brukhonenko (1890-1960) vom Staatlichen Chemo-Pharmazeutischen Institut Moskau. Er stellte auf dem Zweiten Allrussischen Pathologen-Kongress seinen „Autojector“, eine Herz-Lungen-Maschine mit zwei Membranpumpen und einer mechanisch ventilierten, isolierten Spenderlunge vor.
Er äußerte schon 1929 die Vorstellung, dass Herzoperationen mit einer verbesserten Version des von ihm konstruierten Vorläufers der Herz-Lungen-Maschine möglich sein müssten.

Nikolai Terebinski operierte mit Hilfe des Autojektors zwischen 1926 und 1937 tierexperimentell am offenen Herzen an den Herzklappen. Die Spenderlunge ersetzt er 1936 (!) durch den ersten, ebenfalls patentierten Bubble-Oxygenator.

1924

Alfred Beck (1889-1973) entwickelt die als „Beck’sche Mühle“ bekannte Dreifach-Rollenpumpe und denkt dabei an die Verwendung zur schnellen Drucktransfusion von Blut. Ein Exemplar ist im Horst-Stoeckel-Museum für die Geschichte der Anästhesiologie im Universitätsklinikum Bonn zu besichtigen.

Georg Haas (1886-1971) führt in Gießen die erste einer Reihe von extrakorporalen Hämodialysen am Menschen durch. Das Befinden seiner Patienten bessert sich leider nur während der Behandlung, nicht auch danach.

1916

Jay McLean (1891-1957), Doktorand im physiologischen Labor von William Howell in Baltimore, isoliert eine gerinnungshemmende Substanz aus Hundeleber, die sein Doktorvater erst „Anti-Prothrombin“ und dann, aufgrund des Fundortes, „Heparin“ nennt.

1912

John Jacob Abel, Leonhard G. Rowntree und B. B. Turner vom Johns Hopkins Hospital in Baltimore stellen auf dem Physiologischen Kongress in Groningen ihre Tierversuche mit der künstlichen Niere vor.

1902

Willem Einthoven (1860-1927), Professor für Physiologie an der Universität in Leiden, entwickelt aus Wallers Experimenten eine standardisierte Methode zur Aufzeichnung von Herzaktionsströmen, die er „Elektrokardiogramm“ nennt. Er konstruiert das Saitengalvanometer und schafft die noch heutige gültige Nomenklatur zur EKG-Bezeichnung. 1924 erhält er den Nobelpreis für Medizin.

1900

Karl Landsteiner (1868-1943) entdeckt die Blutgruppen A, B und C (später AB genannt) und bekommt dafür 1930 den Nobelpreis für Medizin. 1940 gelingt ihm mit A. S. Wiener die Identifizierung des Rhesus-Faktors.


19. Jahrhundert

1896

Ludwig Rehn (1849-1930), Chefarzt am Städtischen Krankenhaus in Frankfurt am Main, dem schon 1884 die Resektion einer Schilddrüse gelang, verschließt erfolgreich eine Stichverletzung mit Perikardtamponade durch eine Herznaht.

1891

Charles H. Truax (1852-1918), Instrumentenbauer in Chicago, erhält das Patent auf die erste, noch handkurbelgetriebene, Doppel-Rollenpumpe. Das Prinzip ist bis heute gültig, selbst am Design hat sich nicht viel geändert.

1890

Carl Jacobj (1857-1944), Direktor des Pharmakologischen Instituts der Universität Göttingen, beschreibt im „Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmacologie“ seinen „Apparat zur Durchblutung isolierter überlebender Organe“

1889

Augustus Desiré Waller (1856-1922) demonstriert auf dem 1. Internationalen Kongress für Physiologie in Basel, dass die Aktionsströme des menschlichen Herzens an der Körperoberfläche abgeleitet und durch ein Kapillar-Elektrometer angezeigt werden können.

1885

Maximilian Ruppert Franz von Frey (1815-1932), Physiologe am Institut von Carl Ludwig in Leipzig, und Max Gruber stellen im Archiv der Anatomie und Physiologie ihren „Respirationsapparat für isolirte Organe“ vor.

1884

John Berry Haycraft (1857-1922), Professor für Physiologie am Mason College in Birmingham, stellt aus Blutegeln (lat.: Hirudi medicinalis) einen gerinnungshemmenden Extrakt her, der später Hirudin genannt werden wird

1883

Sidney Ringer (1835-1910) zeigt am Herz-Lungen-Präparat, dass der Herzschlag durch Injektion von Kalziumzitrat gestoppt und durch Ausspülen der Lösung wieder in Gang gesetzt werden kann.

1882

Waldemar von Schröder (1850-1898) beschreibt in seiner Arbeit „Über die Bildungsstätte des Harnstoffs“, die im „Archiv für experimentelle Pathologie und Pharmacologie“ erscheint, einen Bubble-Oxygenator.

1882

Giulio Bizzozero (1816-1901) erkennt Thrombozyten als eigenständigen Bestandteil des Blutes und stellt ihren Zusammenhang mit der Blutgerinnung her

1879

William Murrell (1853-1912) vom Westminster Hospital in London etabliert das 1846 von Ascanio Sobrero (1812-1888) synthetisierte Nitroglyzerin als Behandlungsmethode für Angina pectoris.

1862

Ernst Bidder (1839-1902) greift in Dorpat, dem heutigen Tartu in Estland, Loebells Arbeiten auf und konstruiert einen einfachen Apparat zur Durchströmung isolierter Organe, bei dem das verwendete Blut durch Schlagen mit einem Bernsteinstab defibriniert wird.

1854

Thomas Graham (1805-1869) prägt in seinem Aufsatz „On osmotic force“ den Begriff „Dialyse“: „Es möge mir erlaubt sein, die mittels Diffusion durch eine Scheidewand von gallertartiger Substanz bewirkte Scheidung als Dialyse zu bezeichnen.“

1854

Karl von Vierordt (1818-1884) führt die erste indirekte Blutdruckmessung durch.

1849

Carl Eduard Loebell (1825-1889) berichtet in Marburg in seiner Dissertation „De conditionibus, quibus secretiones in glandulis perficiuntur“ über Experimente zur Erforschung der Harnsekretion, bei denen er isolierte Nieren perfundierte.

1819

James Blundell (1790-1877), englischer Geburtshelfer, gelingt die erste homologe Bluttransfusion.

1814

René Théophile Hyacinthe Laënnec (1781-1826), Arzt am Hôpital Necker in Paris, entwickelt das Stethoskop und die Methode der Auskultation.

1812

Julien Jean César LeGallois (1770-1814) formuliert in „Expériences sur le principe de la vie“ die Vision des Überlebens eines Organismus durch mechanischen Ersatz der Herzfunktion und künstlich arterialisiertes Blut.

1809

Allan Burns (1781-1813) klärt experimentell, dass der Angina-pectoris-Schmerz durch Sauerstoffmangel am Herzen entsteht.


18. Jahrhundert

1780

Luigi Galvani (1737-1798), Präsident der Akademie der Wissenschaften in Bologna, entdeckt, dass präparierte Froschschenkel bei Anlegen elektrischer Impulse kontrahieren.

1775

William Withering (1741-1799), Landarzt in Stafford, geht dem Hinweis nach, eine Kräuterfrau könne die Wassersucht mit einer Mixtur heilen und klärt experimentell, dass weißer (Digitalis lanata) und roter (Digitalis purpurea) Fingerhut die wirksamen Bestandteile sind.

1768

William Heberden (1710-1801) beschreibt in einem Vortrag am Royal College of Physician, London, die Symptome der Angina pectoris.

1761

Josef Leopold Auenbrugger (1722-1809), Arzt am spanischen Militärspital in Wien, veröffentlicht „Eine neue Erfindung, um aus dem Beklopfen des menschlichen Brustkorbs Anzeichen verborgener Krankheiten der inneren Brust aufzudecken“ und begründet damit die Methode der Perkussion.

1748

Jean Antoine Nollet (1700-1770), französischer Diakon und Physiker, erkennt beim Sieden von Flüssigkeiten, dass diese um den Durchtritt durch eine eingebrachte Membran „konkurrieren“ und entdeckt das Phänomen der Diffusion.

1733

Stephen Hales (1677-1761), Physiologe und Vikar in Teddington, beschreibt erstmals eine blutige Blutdruckmessung am Pferd.


17. Jahrhundert

1667

Jean Denis (1640-1704), einer der Ärzte Ludwigs XIV. und der Chirurg Paul Emmerez (…1690) vermerken geringes Nasenbluten als einzige Nebenwirkung von 20 Aderlässen mit Transfusion von Lammblut an einem 15jährigen Jungen.

1666

Richard Lower (1631-1691) gelingt an zwei Hunden die erste direkte Blutübertragung von Tier zu Tier: arteriovenös von der Halsschlagader des Spenders zur Jugularvene des Empfängers

1664

Niels Stensen (1638-1686), dänischer Mediziner und Geograph, beschreibt als Erster das Herz als einen ringförmigen Muskel. Später konvertiert er zum Katholizismus, und lebt als Asket in Norddeutschland 1988wird er von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

1661

Marcello Malphigi (1628-1694), Dozent in Bologna und Begründer der mikroskopischen Anatomie, entdeckt 400 Jahre nach an-Nafis den Kapillarkreislauf der Lunge.

1649

Jean Riolan (1580-1657), Dekan der Pariser Medizinischen Fakultät, verteidigt Galen gegen Harvey: „Falls irgendwelche Obduktionen oder Beobachtungen von jenen des Meisters abweichen, bedeutet dies nicht, dass sich Galen geirrt hat, sondern dass die Natur sich seither verändert hat.“

1630-33

René Descartes (1596-1650), französischer Philosoph, arbeitet an seiner erst 1662 posthum in Leiden erscheinenden Schrift „De homine“. Durch die konsequente Anwendung seiner Erkenntnislehre kommt er – unabhängig von Harvey – zu der Überzeugung, das das Blut zirkulieren müsse und liefert außerdem die erste richtige zeichnerische Darstellung des Blutkreislaufs.

1616

William Harvey (1578-1657), Leibarzt Jakobs I. und des später hingerichteten Karls I., trägt in seinen Vorlesungen am Londoner Royal College of Physicians erstmals die These vom Blutkreislauf vor, die er 1628 – in einem unbekannten Verlagshaus in Frankfurt/Main – unter dem Titel „Exercitatio anatomica de motu cordis et sanguinis in animalibus“ veröffentlicht.


16. Jahrhundert

1553

Miguel Serveto y Reves (1511-1553), spanischer Jurist, Astrologe und Mediziner in Diensten Karls V., beschreibt in seiner in Lyon erschienenen Streitschrift „Christianismi Restitvtio“ als erster Europäer den kleinen Kreislauf.

1543

Andreas Vesal (1514-1564), Anatom in Padua, veröffentlicht in Basel sein Hauptwerk „Humani corporis fabrica“, in dem das Herz erstmals ohne Perforationen im Septum und ohne den von Galen vermuteten Herzknochen dargestellt wird.

1519

Spanische Eroberer – sicher zutiefst human und schon immer der Haager Landkriegsordnung verpflichtet – berichten voller „Entsetzen“ und „Abscheu“ über „barbarische“ Herzopfer der Azteken.


Früher

1492

Am todkranken Papst Innozenz VIII. (1432-1492), Freund und Förderer der Hexenverfolgung, wird die erste Bluttransfusion versucht. Jedoch stirbt er unmittelbar nach den drei zehnjährigen Jungen, die ihm zur Blutspende geopfert wurden.

1311/12

Das 15. Allgemeine Konzil findet unter Papst Klemens V. statt und stellt klar, dass die Seele des Menschen im ganzen Körper und nicht nur im Herzen wohnt.

Ca. 1250 v.u.Z.

Papyrus Burgsch, im Ägyptischen Museum Berlin: mit Rezepten zur Behandlung von Gefäßerkrankungen.

13. Jhdt.

Ibn an-Nafis (1213-1288), Arzt in Kairo, beschreibt in einem Kommentar zum Canon des Avicenna als Erster den Lungen- und den Koronarkreislauf. In Europa bleibt diese Schrift bis ins 20. Jahrhundert unbekannt.

1240

In der Medizinalordnung Friedrichs II. wird die Trennung der beiden Heilberufe Arzt und Apotheker verfügt und die Berufsausbildung für Ärzte erstmals gesetzlich geregelt.

1220

Kaiser Friedrich II. (1194-1250), Sohn Heinrichs VI. und Enkel Friedrich Barbarossas, verstaatlicht die Schule in Salerno, die so zur ersten medizinische Hochschule Europas wird und bis zur Schließung durch Napoleon im Jahre 1811 besteht.

1163

Das Konzil von Tours verbietet mit den Worten „Ecclesia abhorret sanguine“ den Klöstern die Chirurgie und bereitet damit den Boden für die Trennung von Chirurgie und Medizin. Bader, Schmiede und Henker üben nun für viele Jahrhunderte die Chirurgie im Nebenberuf aus.

1130

Das Konzil von Clermont verbietet die Ausübung der Heilkunde durch geweihte Priester und initiiert so ein großes Umschulungsprogramm für Laienbrüder.

Um 1030

Abu Ali al-Hussein Ibn Abdallah Ibn Sina (997-1037), latinisiert: Avicenna, vertritt in seinem monumentalen Hauptwerk „Al-qanum fi at-tibb“ (Canon medicinae) die These, dass das Herz als Quelle des Arteriensystems eine eigene Kraft besitzen müsse

820

Salerno: Dem einige Jahrzehnte zuvor gegründeten Benediktiner-Kloster wird ein Spital angeschlossen. Die „Schule von Salerno“, allmählich durch den Zusammenschluss von Ärzten zwecks gemeinsamer Ausbildung von Medizinern entstanden, erfährt dadurch einen bedeutenden Entwicklungsschub.

2. Jhdt.

Claudius Galenus (129-199) sieht die Bewegung des Blutes als durch diastolische Attraktion hervorgerufene Ebbe und Flut. Er entwickelt die Pneuma-Lehre und das energetische Prinzip, wonach die linke Herzkammer ein Ofen ist, in der das in der Leber gebildete Blut zur Abkühlung mit der Luft der Lungen vermischt wird.

Um 78

Dioskurides (um 40-90), u.a. Militärarzt unter Kaiser Nero, veröffentlicht „De materia medica“, das für die nächsten 1500 Jahre maßgebliche pharmazeutische Lehrbuch.

3. Jhdt. v.u.Z.

Erasistratos (310-250 v.u.Z.) nimmt die Existenz eines Kapillarkreislaufs an, wobei das Blut über Attraktion aus den Venen in die Arterien gelangen soll. um 25 Celsus (30 v.u.Z. – 38 u.Z.) definiert die Entzündung als lokale Störung der Mikrozirkulation mit den Symptomen Rubor, Calor, Dolor und Tumor.

3. Jhdt. v.u.Z.

Herophilos (315-250 v.u.Z.) beschreibt den arteriellen Puls nach Frequenz, Rhythmus, Amplitude und Härte. Er führt den Begriff Extrasystole ein.

4. Jhdt. v.u.Z.

Proxagoras (um 370 – um 325 v.u.Z.) bezeichnet Gefäße, die wie das Herz schlagen, als Arterien – wobei die Arterien Luft und nicht Blut transportieren (aer = Luft, terrein = enthalten).

4. Jhdt. v.u.Z.

Aristoteles (384-322 v.u.Z.) erkennt, dass Kälte den Herzschlag verlangsamt und schließlich sogar zum Stehen bringt, wobei erst der linke Ventrikel, dann der linke Vorhof, der rechte Ventrikel und schließlich der rechte Vorhof stehen bleiben. Das Herz wird als Zentrum des vaskulären Systems und Ursprung aller Organe überhaupt gesehen.

5. Jhdt. v.u.Z.

Hippokrates (um 460 – um 375 v.u.Z.) entwickelt daraus die Säftelehre oder Humoralpathologie: Die vier Körpersäfte gelbe Galle, schwarze Galle, Schleim und Blut lassen sich aus den vier Elementen und vier Qualitäten ableiten. Gesundheit wird als Harmonie der Säfte definiert. Der Kopf ist für ihn Quelle wichtiger Blutgefäße.

5. Jhdt. v.u.Z.

Empedokles (um 495 – um 435 v.u.Z.) vertritt in seiner Naturphilosophie die Auffassung, dass Feuer, Luft, Erde und Wasser Ursprung aller Dinge sind und durch die Kombination der Grundeigenschaften heiß, trocken, feucht und kalt entstehen.

Um 500 v.u.Z.

Pien Ch’iao begründet die chinesische Pulslehre.

Um 650 v.u.Z.

Ninive: Erstbeschreibung der Angina pectoris, in der ältesten bisher bekannten Bibliothek, der Sammlung von Tontafeln des Assyrer-Königs Assurbanipal.

Um 1000 v.u.Z.

Im Nan Ching wird das Herz als vornehmstes der fünf YIN- oder Hauptorgane (Leber, Herz, Milz, Lunge, Nieren) bezeichnet.

Ca. 1550 v.u.Z.

Papyrus Ebers, in der Universitätsbibliothek Leipzig: umfangreichstes medizinisches Werk des alten Ägyptens mit über 700 Medikamenten und 800 Rezepten in 879 Texten. Die Nummern 854-856 handeln das Herz und das Gefäßsystem ab.

Ca. 2800 v.u.Z.

Papyrus Edwin Smith, an der Academy of Medicine in New York: Das „Wundenbuch“ mit 48 Diagnosen, diversen Rezepten und Zaubersprüchen gilt als das älteste chirurgische Lehrbuch der Welt. Das Herz wird darin als Denkorgan gesehen.