Pressemitteilung: Vom Schicksal zur behandelbaren Krankheit

Goethes Tod verbindet Tradition und Moderne bei Herzerkrankungen

Goethe starb 1832 den schicksalhaften Herztod. Die Ursache seines Leidens und Mittel zur Behandlung kannte man damals nicht. Heutzutage erleiden in Deutschland jährlich immer noch über 200 000 Patienten einen Herzinfarkt, von denen ca. 58 000 einer Operation am offenen Herzen bedürfen. Diese Patienten benötigen während des Eingriffs einen künstlichen Blutkreislauf, der vom Kardiotechniker des OP-Teams gesteuert wird. Die erste Promotion eines Kardiotechnikers zeigt die hohe Qualität dieser noch jungen Berufsgruppe und deren wichtigen Beitrag zu einer anspruchsvollen Patientenversorgung.

Die Krankheit Goethes, die nach seinem zweiten Herzinfarkt im März 1832 in Weimar zu seinem Tod führte, hat sich vom damaligen Schicksal zur heute behandelbaren Krankheit gewandelt. War früher die Herzoperation mit dem künstlichen Blutkreislauf ein ehrfurchtsgebietender Vorgang, so ist sie heute zu eine sicheren und zuverlässigen Behandlungsoption geworden. Die Steuerung des künstlichen Blutkreislaufes ist eine der Hauptaufgaben der Kardiotechnik.
Eine anspruchsvolle und vor allen Dingen zunehmende Aktivität sind Forschungstätigkeiten zur Entwicklung und Einschätzung neuer Methoden für die Klinik. Sie wird im europäischen Ausland schon von zahlreichen Kardiotechnikern wahrgenommen; dort hat ihre Promotion bereits zur Weiterentwicklung der Herzchirurgie beitragen. Der Kardiotechniker Dr. Dirk Buchwald der Berufgenossenschaftlichen Universitätsklinik Bergmannsheil in Bochum hat mit seiner Promotion Stimulation der Wundheilung mit autologem Thrombozyten-Gel wichtige Aspekte der modernen Wundversorgung untersucht und bewertet.
Er hat damit zur Professionalisierung des Berufsbildes beigetragen und möchte vor allen Dingen seine Kolleginnen und Kollegen in Deutschland motivieren. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik e. V. werden bereits weitere Arbeiten in anderen Kliniken erstellt.
Die zunehmende Professionalisierung, wie sie in der Krankenpflege schon stattgefunden hat, und zunehmende Qualitätsansprüche der Patienten diskutieren Kardiotechnikerinnen und Kardiotechniker aus Deutschland und dem europäischen Ausland anlässlich der 38. Internationalen Fortbildungs- und Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik e. V., die in Weimar vom 6.– 8. November im Congress Centrum Neue Weimarhalle stattfindet.
Somit verbinden sich in dieser Region auf einmalige Weise Tradition und Moderne.
Wiederum war es Goethe, der bereits 1813 unbewusst die ersten Weichen für die spätere Entwicklung einer zentralen medizinischen Versorgungseinrichtung in Thüringen stellte. Er unterstützte maßgeblich den Aufbau eines Schwefelbades in dem damaligen Ort Berka, der sich dann 1911 Bad Berka nennen durfte. Bereits acht Jahre nach der ersten Herzoperation in Deutschland, im Jahr 1958, wurde die Zentralklinik Bad Berka neben den etablierten Universitäten als fünftes Herzzentrum in der ehemaligen DDR anerkannt. Die Leistungsfähigkeit zeigt sich bis heute durch das Angebot des gesamten Spektrums der modernen Herzchirurgie im Erwachsenenalter.
Goethe könnte heute von dieser Leistungsfähigkeit profitieren.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiotechnik e. V. vertritt die Interessen ihrer Mitglieder bei der Weiterentwicklung des Fachgebiets und der Aus- und Fortbildung. Sie pflegt Kontakte zu Herzchirurgen, Anästhesisten, anderen Disziplinen und wissenschaftlichen Gesellschaften. Die Kardiotechnik ist das Bindeglied zwischen komplexer Medizintechnik und den medizinischen Anforderungen der herzchirurgischen Patienten.