Pressemitteilung: Ein Herz kann man nicht reparier’n?

Was im Schlager so kategorisch verneint wird, gelingt der modernen Medizin täglich mehrere hundert Mal. Die Kardiotechnik, eine noch junge medizinische Disziplin, ermöglicht Operationen am und im Herzen. Müssen verstopfte Herzkranzgefäße mit Bypässen umgangen, defekte Herzklappen repariert oder angeborene Herzfehler korrigiert werden, wird das Herz meistens stillgestellt und vom Blut entleert. Es kann nicht pumpen, und auch die Lungen arbeiten nicht. Doch Leber und Nieren und besonders das Gehirn dürfen nicht absterben, brauchen ständig sauerstoffreiches Blut. Dies zu gewährleisten, ist der Job des Kardiotechnikers, dazu errichtet er mit Hilfe der Herz-Lungen-Maschine einen künstlichen Kreislauf: Blut wird aus den großen Hohlvenen über fingerdicke Schläuche in ein Reservoir geleitet, dort entschäumt und gefiltert und temperiert in einen Oxygenator gepumpt. Hier wird dem Blut das Kohlendioxid entzogen und Sauerstoff zugeführt. Nochmals gefiltert, gelangt es über einen anderen Schlauch in die Hauptschlagader, genau oberhalb der Stelle, wo das Herz abgeklemmt ist. Erdacht in Frankreich im Jahre 1812, konnte mit diesem künstlichen Kreislauf am 7. Mai 1953 in Philadelphia in den USA erstmals ein Leben gerettet werden. Inzwischen ist das Verfahren etabliert, allein in Deutschland wird es jährlich knapp 100.000 mal angewendet. Es hat einen neuen Beruf hervorgebracht: den des Kardiotechnikers. Die Internationale Fortbildungs- und Arbeitstagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiotechnik findet zum ersten Mal in Rheinland-Pfalz statt, im CongressForum Frankenthal. Professor Werner Saggau vom Herzzentrum Ludwigshafen hat die Schirmherrschaft übernommen. Vom 25.-27. Mai diskutieren knapp 300 Herzspezialisten aus Klinik und Industrie, aus dem In- und Ausland, über neue Methoden in der Herzklappenchirurgie. Kardiotechniker des Herzzentrums Bad Oeynhausen stellen in einer Organbank autologe Herzklappen her, die der Körper nicht mehr – wie Schweine- oder Rinderklappen – als Fremdprodukt erkennt und abstoßen will. Auch werden erkrankte Klappen immer häufiger nicht mehr durch mechanische oder biologische Prothesen ersetzt, sondern rekonstruiert. Weiteres Hauptthema ist die Qualitätssicherung in der Kardiotechnik – wichtig, weil dieser Beruf nicht wie der des Arztes oder Medizinphysikers durch eine staatliche Berufsordnung reglementiert ist. Zwar gibt es hervorragende Ausbildungsstätten in Berlin, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg, aber deren Besuch ist nicht vorgeschrieben.

Holger Zorn, Mai 2006