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KARDIOTECHNIK Ausgabe: 2022/4; 031(1):002–003
DOI: https://doi.org/10.47624/kt.031.CEZR7053

Editorial KARDIOTECHNIK 2022/1

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen

die Digitalisierung begleitet und prägt unser tägliches Leben. In den 1940er Jahren schätzte IBM-Chef Thomas Watson den weltweiten Bedarf an Computern insgesamt auf fünf. Heutzutage sind Smart-Phone, Smart-Watch, Smart-TV, Tablet, Laptop in vielen Ländern Standard und die Geschichte zeigt, dass Vorhersagen die Zukunft betreffend eher schwierig sind. Selbst der Konservativste unter uns muss sich eingestehen, dass wir uns sowohl privat als auch am Arbeitsplatz in einem Systemwandel – hin zur umfassenden Digitalisierung befinden. Spätestens seit dem Frühjahr 2020 wissen wir alle, dass eine „Auffrischung“ unserer digitalen Kompetenzen notwendig ist. Dem „beruflichen lebenslangen Lernen” stehen starre Ausbildungskonzepte gegenüber, die oft übergeordnet geregelt sind und weder schnelle Anpassungen noch Innovationen zulassen. Weil einige von uns in alten Denkmustern feststecken, fällt es schwer, flächendeckend moderne Online- und Präsenzbildungskonzepte zu entwickeln.

Bezogen auf den Arbeitsplatz der meisten Perfusionist:innen fehlt es an der nötigen technischen Ausstattung für diese digitalen Strukturen. Sind sie in den Krankenhäusern erst einmal angeschafft, dann sind sie bereits wieder veraltet und werden eventuell erst nach langer Abschreibungszeit erneuert. Moderne Abteilungen benötigen deswegen ausreichend vernetzte Endgeräte für jeden. Sind wir allerdings mit den digitalen Medien vertrauter und haben in unserem Berufsumfeld die richtige technische Ausstattung, so können wir das Gedankenspiel und Motto der letztjährigen Jahrestagung der Schweizer Kollegen ein wenig weiterdenken. Hans-Jörg Jenni aus Bern zeigte hier mittels virtueller Realität, wie er einen jungen Kollegen in der Klinik sicher durch eine Aortendissektion führte, ohne dabei selbst vor Ort zu sein. Warum nicht den Perfusionisten für gewisse Aufgaben ins Homeoffice schicken? Im Rahmen der mechanischen Kreislaufunterstützung können die Anwender beispielweise heute schon per gesicherter WLAN-Verbindung auf die Daten der Unterstützungssysteme zugreifen.

Diese Szenarien sind in der Autoindustrie und bei der Schulung auf großen Baumaschinen bereits Realität. Maschinen werden z. B. nach China oder Irak verkauft, und die Anwenderschulung findet live über digitale Tools statt. Dies bietet, neben monetären Einsparungen, Sicherheit für die Spezialisten, die nicht in Kriegs- und Risikogebiete reisen müssen. Es sichert gute innovative Arbeitsplätze bei geringerem CO2-Fußabdruck, weil Spezialisten nicht tagelang auf einer Geschäftsreise sind. Gleichzeitig entsteht mehr Flexibilität, welche einen Wettbewerbsvorteil darstellen kann und den Arbeitsplatz für den Einzelnen attraktiver macht. Beruf und Familie lassen sich mit solchen Ideen auch im Bereich der Perfusionstechnologie besser vereinen.

Bei der Umgestaltung unseres Arbeitsplatzes und unserer Ausbildungslandschaft sind Hybridveranstaltungen, Online-Meetings und andere digitale Konzepte die Zukunft und sichern nachhaltig unseren Beruf, um auf Augenhöhe mit unseren ärztlichen Partnern gemeinsam für die Patient:innen als Team zu agieren. Wir müssen bestehende Konzepte anpassen und neue entwickeln, sonst verliert der Beruf des Perfusionisten/der Perfusionistin an Attraktivität. Der Nachwuchsmangel würde weiter verschärft werden, was in einer Art Abwärtsspirale zu einer weiteren Überlastung der Belegschaft, bis hin zur Abwanderung führt. Trotz der schönen digitalen Welt darf der so wichtige persönliche Erfahrungsaustausch nicht auf der Strecke bleiben. Das Lesen zwischen den Zeilen, Brainstorming und Philosophieren

ist oft nur bei der physischen Begegnung möglich. Zufällige Kontakte, die nur bei Workshops und Kongressen möglich sind, fördern den Zusammenhalt in unserem Berufsfeld. Das Motivieren junger Kolleg:innen und Studierender, die noch ihren Weg finden müssen, ist nur durch das Vorleben des Berufs und durch persönliche Kontakte in der Tiefe möglich.

Wir Perfusionist:innen sollten in unserem medizinischen Arbeitsumfeld der Motor des Fortschritts sein und mit innovativen Ideen für die Perfusionstechnologie inner- und außerhalb der Herzmedizin aufwarten. Das Zusammenspiel aus Wissen, Erfahrung und technischem Fortschritt mit digitalen Werkzeugen im Dienste des Patienten macht unsere Kompetenz aus.

Wir als wissenschaftliche Fachgesellschaft reagieren auf den Wandel durch den Aufbau einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur. Präsenzveranstaltungen, Webinare, Online-Schulungen, Hybrid-Kongresse sind die aktuellen digitalen Werkzeuge, die den Einzug in unsere Aus- und Fortbildungslandschaft halten. Die kurzfristige Planung digitaler Meetings für Vorstands- und Redaktionssitzungen, von Arbeits- und Leitliniengruppentreffen macht den sicheren und aktuellen Austausch mit mehr Transparenz einfacher.

Im ersten Heft 2022 der KARDIOTECHNIK startet Prof. Kohl mit einer neuen, über mehrere Ausgaben verteilten und aufeinander aufbauenden Tutorial-Reihe: Statistik im Umfeld der Perfusionstechnologie. Anhand von Beispielen aus unserer täglichen Praxis möchte er uns die wichtigsten Kompetenz-Bausteine für das Erstellen und Lesen wissenschaftlicher Artikel näherbringen.

Der Kollege Jesko Mertha aus Zürich zeigt aus der Perspektive des Perfusionisten den Einsatz zweier parallell laufender ECMO-Systeme bei einem Patienten im septischen Schock, der auf eine Lungentransplantation wartet. Kommentiert wird dieser außergewöhnliche Fall von Thomas Schultze aus Halle.

Des Weiteren ist in dieser Ausgabe die aktualisierte S3-Leitlinie: „Einsatz der extrakorporalen Zirkulation (ECLS/ECMO) bei Herz- und Kreislaufversagen“ abgedruckt. Ziel der Leitlinie war primär eine Optimierung der medizinischen Versorgungsqualität durch evidenzbasierte Bewertung der vorhandenen Daten, um Schnittstellenprobleme mit unklaren Zuständigkeiten zu vermeiden und dadurch die Patientenversorgung nachhaltig zu verbessern. Diese Leitlinie, unter Koordination von Prof. Dr. Boeken von der DGTHG, wurde unter anderem durch die DGfK von unseren Kollegen Dr. Dirk Buchwald und Sven Maier MSc ausgearbeitet.

Ich freue mich schon, die Printausgabe der KARDIOTECHNIK in Händen halten zu können und mich eventuell während der chirurgischen Freipräparationsphase, fachlich weiterbilden zu können. Als DGfK-Mitglied kann ich die Zeitschrift natürlich auch direkt online lesen.

Auf ein gemeinsames erfolgreiches und zukunftsweisendes Jahr.

Kollegiale Grüße


Dr. Frank Münch

Präsident der DGfK



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