SARS-CoV-2 auch im Herzmuskel nachweisbar



Mainz und Berlin – Das neue Coronavirus SARS-CoV-2 kann offenbar auch das Herz an­greifen. Kardiologen konnten den Erreger von COVID-19 bei mehreren Patienten in Myo­kardbiopsien nachweisen.

Die Patienten waren laut den Publikationen in ESC Heart Failure (2020; DOI: 10.1002/ehf2.12805) und Cardiovascular Research (2020; DOI: 10.1093/cvr/cvaa160) re­lativ jung und häufig ohne Vorerkrankungen, und sie schienen die Infektion bereits über­standen zu haben, als es zu einer Pumpschwäche des Herzens kam, die die Biopsie ver­anlasst hat.

Es steht mittlerweile fest, dass SARS-CoV-2 nicht nur die Lungen infiziert, sondern auch andere Organe. Schon in den ersten Studien aus China war aufgefallen, dass es bei vielen Patienten zu einem Anstieg des Herzinfarktmarkers Troponin kommt – häufig erst im Anschluss an die Infektion, wenn andere Symptome bereits abgeklungen sind.

Auch die beiden Patienten, die am Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz behandelt wurden, hatten einen grippeähnlichen Infekt mit Kopfschmerzen, Fieber und Husten überstanden. SARS-CoV-2 war bei ihnen nicht nachgewiesen worden.

4 Wochen später kam es bei den beiden adipösen Männern im Alter von 36 und 39 Jahren zu einer zunehmenden Atemnot, die die Kardiologen auf eine Funktionsstörung des Herzmuskels zurückführten. Wegen des Verdachts auf eine Myokarditis wurde eine Herzmuskelbiopsie durchgeführt.

In den Gewebeproben wurden dann zur Überraschung des Teams um Prof. Philip Wenzel die Gene von SARS-CoV-2 nachgewiesen. Zu diesem Zeitpunkt fielen mehrere Nasen-Rachenabstriche auf SARS-CoV-2 negativ aus. Ob die Virus-Gene im Herzmuskel eine fortgesetzte Infektion von SARS-CoV-2 anzeigen, ist unklar. …

aerztebatt.de, 24. August 2020


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