Lebensqualität nach Herz-OP auch von sozioökonomischen Faktoren bestimmt

Düsseldorf – Neben somatischen Beschwerden spielen auch sozioökonomische Faktoren eine wichtige Rolle für die Lebensqualität von Patienten nach einer Herzoperation. Das berichten Wissenschaftler vom Institut für Experimentelle Psychologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der Klinik für kardiovaskuläre Chirurgie des Klinikums Dortmund im International Journal of Surgery (DOI: 10.1016/j.ijsu.2020.02.047).

Die Wissenschaftler bezogen 6.099 Patienten ein, um die Faktoren für die Lebensqualität nach einer Herz-OP zu identifizieren. Die Studienteilnehmer füllten 6 Monate nach der OP einen „Nottingham Health Profile“ aus, also einen standardisierten Fragebogen zur Einschätzung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität.

Er besteht aus 38 Fragen, welche die Bereiche Energieverlust, Schmerz, emotionale Reaktion, Schlafprobleme, soziale Isolation und Mobilitätsverlust abdecken. Außerdem erhoben die Wissenschaftler sozioökonomische Daten. Es zeigte sich, dass klassische Beschwerden der Herzpatienten wie Atemnot und Brustschmerzen die postoperative Lebensqualität besonders schwer beeinflussen, wenn bestimmte sozioökonomische Faktoren hinzukommen.

Männer, jüngere Patienten, Alleinstehende und Personen ohne geregelte Arbeit zeigten ein erhöhtes Risiko, dass ihre Lebensqualität postoperativ eingeschränkt ist im Vergleich zu denen nach Alter und Geschlecht vergleichbaren Gruppen der Allgemeinbevölkerung.

„Die aktuellen Auswertungen bestätigen eindrucksvoll meine Beobachtungen, dass Patienten unter Beschwerden, die vom Herzen oder nach einer Operation immer noch bestehen, besonders dann leiden, wenn zusätzlich noch andere seelische Probleme hinzukommen“, erläutert Alexander Albert von der Klinik für Kardiovaskuläre Chirurgie des Klinikums Dortmund. Es sei daher besonders wichtig, sozioökonomische Faktoren bei der Nachsorge der Patienten zu berücksichtigen.

„Diesen Menschen kann dann frühzeitig zusätzliche sekundäre Hilfe angeboten werden, neben den routinemäßigen Rehabilitationsmaßnahmen. Hier wären zum Beispiel neben intensiverer medizinischer Betreuung psychologische Unterstützungen denkbar“, sagte die Erstautorin der Arbeit, Nora Schaal.

© hil/aerzteblatt.de

aerztebatt.de, 19. Juni 2020


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