COVID-19: Weniger als die Hälfte der beatmeten Patienten hat überlebt



Köln – Auch eine optimale Behandlung mit künstlicher Beatmung kann das Leben von Risikopatienten mit COVID-19 häufig nicht retten. In Deutschland sind laut einer Kohor­tenstudie in Lancet Respiratory Medicine (2020; DOI: 10.1016/S2213-2600(20)30316-7O) ein Fünftel der stationär behandelten Patienten gestorben. Von den Patienten, die künst­lich beatmet werden mussten, überlebte weniger als die Hälfte.

Die Kliniken in Deutschland waren anders als in Italien und anderen südeuropäischen Län­dern gut auf COVID-19 vorbereitet. Die Zahl der Intensivbetten pro Einwohner ist deut­lich höher und auch auf dem Gipfel der (ersten Welle der) Epidemie gab es kaum Eng­pässe. Dennoch konnten viele Patienten nicht gerettet werden, wie die jetzt von Christian Karagiannidis, dem Leiter des ECMO-Zentrums an der Lungenklinik Köln-Mer­heim, und Mitarbeitern vorgestellten Zahlen zeigen.

Zwischen dem 26. Februar bis zum 19. April 2020 waren demnach 10.021 AOK-Versicher­te mit COVID-19 an 920 Krankenhäusern behandelt worden. Über die AOK ist ein Drittel der Bevölkerung krankenversichert. Die Stichprobe gilt als repräsentativ. Das mediane Alter betrug 72 Jahre und war damit höher als in anderen publizierten Kohorten. In New York lag das Durchschnittsalter bei 63 Jahren, in einer frühen chinesischen Kohorte sogar nur bei 47 Jahren.

Trotz des höheren Alters war die Mortalität in Deutschland ähnlich hoch wie in New York. Dort starben nach einer kürzlich publizierten Studie 21 Prozent der Patienten (JAMA 2020; 323: 2052-2059). In Deutschland waren es nach den jetzt vorgestellten Daten 22 Prozent (2.229 von 10.021 Patienten). In der chinesischen Kohorte waren es nur 1,4 Pro­zent, was den deutlichen Einfluss des Alters auf das Sterberisiko bei COVID-19 verdeut­licht.

Auch in der deutschen Kohorte stieg die Mortalität mit dem Alter: Von den unter 60-Jäh­ri­gen starben 5 Prozent der COVID-19-Patienten. Bei den 60- bis 69-Jährigen waren es 15 Prozent, bei den 70- bis 79-Jährigen 27 Prozent und bei den über 80-Jährigen 38 Prozent. In der Gesamtgruppe betrug die Sterblichkeit 22 Prozent: Bei Männern lag sie mit 25 Pro­zent um 6 Prozentpunkte höher als bei Frauen (19 Prozent).

Beatmung heißt schlechtere Prognose

Die Notwendigkeit einer Beatmung verschlechterte die Prognose erheblich. Schon bei den unter 60-Jährigen starben 28 Prozent der beatmeten Patienten, bei den 60- bis 69-Jährigen waren es 46 Prozent, bei den 70- bis 79-Jährigen 63 Prozent und bei den über 80-Jährigen 72 Prozent ….

aerztebatt.de, 29. Juli 2020


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