COVID-19: Auch die Kardiologen sind gefordert

„Frankfurt und Köln − Zwar stehen bei COVID-19-Patienten Symptome der Atemwege und der Lunge im Vordergrund, doch das Coronavirus SARS-CoV-2 greift auch das Herz an, wie mehrere Studien aus China und aus Italien berichten. Da bislang nur wenige kardio­logische Daten von Patienten aus Deutschland vorliegen, nahmen die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) und das Science Media Center zum Anlass, die internationale Erkenntnislage jeweils per Webinar darzustellen.


Danach sind bei der Versorgung von SARS-CoV-2-Infizierten auch „die Kardiologen gefordert“, so DGK-Präsident Andreas Zeiher. Der Direktor der Medizi­nischen Klinik III am Universitätsklinikum Frankfurt/Main betonte, dass die vorliegenden Studien die Notwendigkeit bestärken, Herzschäden als Vorerkrankung oder als Komplika­tion bei der Behandlung von COVID-19-Patienten zu berücksichtigen. „Es besteht ein statistisch signifikanter Zusammenhang zwischen einem ‚cardiac injury‘ und der Mortalität von Patienten mit COVID-19.“

Nach einer retrospektiven Analyse aus China von 191 Patienten mit im Labor bestätigter SARS-CoV-2-Infektion starben 54 und 137 überlebten. Die Todesopfer litten häufiger an Herzinsuffizienz (52 % vs. 12 %) und akuten Herzschädigungen (59 % vs. 1 %).

Risikoprädiktoren für letalen Ausgang waren Alter, sequenzielles Organversagen, hohe D-Dimer-Spiegel bei Aufnahme sowie hohe Konzentrationen an Troponin, Interleukin-6 und Serumferritin. Zudem wiesen die Verstorbenen häufiger Komorbiditäten auf wie Hypertonie (48 % vs. 23 %), Diabetes (31 % vs. 14 %) und koronarer Herzkrankheit (24 % vs. 1 %). Bemerkenswert ist allerdings, dass auch Patienten ohne kardiovaskuläre Vorerkrankungen, aber hohen Troponin-Werten ein erhöhtes Mortalitätsrisiko hatten. Noch ist nicht klar, welche konkreten Mechanismen und Zusammenhänge hinter diesem Effekt stehen. …“


aerztebatt.de, April 2020

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